Familie

Für Kinder sparen: Sparbuch, Ausbildungsversicherung oder Depot?

18 Jahre sind der größte Zinseszins-Hebel, den es im Leben gibt – und die meisten verschenken ihn auf dem Sparbuch. Welcher Weg für dein Kind sinnvoll ist, und welche Falle fast niemand auf dem Schirm hat.

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Abeska Jan
Geschäftsführer
Titelbild: Für Kinder sparen: Sparbuch, Ausbildungsversicherung oder Depot?

Zur Geburt gibt es Geld von den Großeltern, zum Geburtstag kommt wieder etwas dazu – und irgendwann steht die Frage im Raum: Wohin damit? In den allermeisten Familien lautet die Antwort bis heute „auf ein Sparbuch“. Das ist bequem, gut gemeint und teuer.

Denn beim Sparen für Kinder hast du einen Vorteil, den du sonst nie wieder bekommst: Zeit. 18 Jahre sind eine Ewigkeit an der Börse – und genau deshalb ist die Wahl des Kontos hier wichtiger als der Betrag.

Warum die Zeit fast alles entscheidet

Ein Rechenbeispiel, bewusst mit kleinen Beträgen: 50 € im Monat, 18 Jahre lang. Eingezahlt hast du am Ende 10.800 €.

  • Auf dem Sparbuch bei 0,5 % Zinsen: rund 11.300 € – nach Inflation real weniger, als du eingezahlt hast.
  • Im breit gestreuten Depot bei angenommenen 6 % pro Jahr: rund 19.000 €.

Der Unterschied sind über 7.000 € – bei identischer Sparrate. Nicht, weil jemand cleverer war, sondern weil das Geld an einem anderen Ort lag.

Wichtig zur Einordnung: Die 6 % sind eine Annahme, keine Zusage. Kapitalmärkte schwanken, und es gibt Jahre mit deutlichen Verlusten. Was den langen Anlagehorizont bei Kindern so besonders macht: Ein schlechtes Börsenjahr im sechsten Lebensjahr hat bis zum 18. Geburtstag reichlich Zeit, sich wieder auszugleichen. Genau diese Zeit hast du bei kurzfristigen Zielen nicht.

Die drei üblichen Wege im Vergleich

 Sparbuch / TagesgeldAusbildungsversicherungDepot mit Fondssparplan
RenditechanceSehr geringGering bis mittelHöher, dafür schwankend
KostenKeineAbschluss- und VerwaltungskostenNiedrig bei ETFs
FlexibilitätHochGering, lange BindungHoch, jederzeit anpassbar
Sinnvoll fürKurzfristige RücklageWer Garantie über alles stelltSparziele ab etwa 10 Jahren

Die Ausbildungsversicherung ist das Produkt, das am häufigsten verkauft und am seltensten gebraucht wird. Sie verpackt Sparen und einen kleinen Todesfallschutz in einen Vertrag. Beides zusammen kostet mehr, als es getrennt kosten müsste – und die Bindung über 18 Jahre ist unangenehm eng, wenn sich deine Lebenssituation ändert.

Auf wessen Namen? Die Frage, die später wehtut

Hier trennt sich, wer sich einmal informiert hat, von allen anderen. Du kannst auf zwei Arten sparen:

  1. Depot auf den Namen des Kindes (Junior- oder Kinderdepot). Das Geld gehört rechtlich dem Kind. Steuerlich ist das attraktiv: Das Kind hat einen eigenen Sparerpauschbetrag von 1.000 € und zusätzlich den Grundfreibetrag – über eine Nichtveranlagungsbescheinigung bleiben Erträge dadurch in aller Regel steuerfrei.
  2. Depot auf deinen Namen, gedanklich zweckgebunden fürs Kind. Erträge laufen über deinen Sparerpauschbetrag, du behältst aber die volle Kontrolle.

Geld auf dem Namen des Kindes ist nicht mehr dein Geld. Mit 18 kann dein Kind frei darüber verfügen – über das Auto, das du nicht gut findest, genauso wie über die Ausbildung, die du dir gewünscht hast. Und schon vorher darfst du es nicht für Dinge verwenden, die eigentlich zum Elternunterhalt gehören. Zwei weitere Punkte übersieht fast jeder: Eigene Einkünfte des Kindes können die kostenfreie Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse gefährden, und Vermögen des Kindes wird beim BAföG angerechnet – Elternvermögen dagegen nicht in gleicher Weise.

Wie ich es in der Beratung meistens sehe

Es gibt keine Lösung, die für alle passt, aber eine brauchbare Faustregel:

  • Geld, das eindeutig dem Kind gehören soll – etwa Geschenke der Großeltern – gehört ins Kinderdepot. Der Steuervorteil ist real, und das Geld war ohnehin nie deins.
  • Geld aus deinem eigenen Haushaltsbudget läuft oft besser über dein Depot. Du bleibst flexibel, falls es im Leben anders kommt, und kannst mit 18 trotzdem übergeben – nur eben in dem Rahmen, den du für richtig hältst.
  • Der Notgroschen der Familie hat in beiden Fällen nichts zu suchen. Der liegt auf dem Tagesgeldkonto – warum, steht im Beitrag zum Notgroschen.

Und wenn größere Summen im Spiel sind: Pro Elternteil dürfen alle zehn Jahre 400.000 € steuerfrei an ein Kind verschenkt werden. Wer früh und in Etappen überträgt, verschenkt später keine Freibeträge.

Die letzten zwei Jahre nicht vergessen

Ein Fehler, der mir oft begegnet: 18 Jahre sauber angespart – und dann fällt der Auszahlungszeitpunkt genau in einen Börseneinbruch. Deshalb gilt dasselbe wie bei jedem Sparziel mit festem Datum: Etwa zwei bis drei Jahre vor der geplanten Verwendung wird der Aktienanteil Schritt für Schritt reduziert. Der Ertrag ist dann längst verdient – jetzt geht es nur noch darum, ihn nicht kurz vor dem Ziel wieder herzugeben.

Fazit

Für Kinder zu sparen ist keine Frage der Höhe, sondern der Richtung. 25 € im Monat in einem breit gestreuten Sparplan bringen über 18 Jahre mehr als 100 € auf einem Sparbuch, das die Inflation auffrisst.

Wichtig ist nur, dass du vorher weißt, auf wessen Namen du sparst und was das bedeutet. Wenn du das einmal sauber durchdacht hast, läuft der Rest von allein.

Häufige Fragen

Wie viel sollte ich monatlich für mein Kind sparen?
Es gibt keinen festen Betrag – entscheidend ist, dass die Rate dauerhaft durchhaltbar ist. Schon 25 bis 50 Euro im Monat ergeben über 18 Jahre eine spürbare Summe. Wichtiger als die Höhe ist, dass der Notgroschen der Familie vorher steht.
Kinderdepot oder Depot auf meinen Namen – was ist besser?
Geld, das eindeutig dem Kind gehören soll, ist im Kinderdepot steuerlich besser aufgehoben, weil das Kind eigene Freibeträge hat. Wer Kontrolle über den Zeitpunkt der Übergabe behalten will, spart besser auf den eigenen Namen: Vermögen im Kinderdepot gehört mit 18 rechtlich dem Kind.
Lohnt sich eine Ausbildungsversicherung?
In den meisten Fällen nicht. Sie kombiniert Sparen mit einem kleinen Todesfallschutz und ist dadurch teurer und unflexibler als beide Bausteine getrennt. Wer Hinterbliebene absichern will, fährt mit einer Risikolebensversicherung plus separatem Sparplan in der Regel besser.
Was passiert mit dem Geld, wenn mein Kind 18 wird?
Bei einem Depot auf den Namen des Kindes kann es ab dem 18. Geburtstag frei darüber verfügen. Ein Mitspracherecht der Eltern gibt es dann nicht mehr – das sollte man vor der Kontoeröffnung wissen und nicht erst danach.
Wird das Ersparte beim BAföG angerechnet?
Vermögen, das auf den Namen des Kindes läuft, wird beim BAföG-Antrag als Vermögen des Kindes berücksichtigt und kann den Anspruch mindern. Das ist einer der Gründe, warum größere Beträge nicht automatisch aufs Kinderdepot gehören.