Immobilie

Baufinanzierung: Eigenkapital, Tilgung, Zinsbindung – die drei Zahlen, die zählen

Beim Immobilienkredit starren alle auf den Zinssatz. Dabei entscheiden Tilgung und Zinsbindung darüber, wie lange du zahlst und was nach zehn Jahren übrig bleibt. Ein Überblick ohne Bankdeutsch.

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Abeska Jan
Geschäftsführer
Titelbild: Baufinanzierung: Eigenkapital, Tilgung, Zinsbindung – die drei Zahlen, die zählen

Wer eine Immobilie finanziert, vergleicht zuerst den Zinssatz. Verständlich – er steht in jeder Werbung ganz vorne. Nur entscheidet er selten darüber, ob eine Finanzierung am Ende gut ausgeht.

Die drei Zahlen, die wirklich zählen, sind: wie viel Eigenkapital du mitbringst, wie hoch du tilgst und wie lange du dir den Zins sicherst. Der Reihe nach.

1. Eigenkapital – und die unterschätzten Kaufnebenkosten

Vor dem Kaufpreis stehen die Nebenkosten. Sie finanziert dir keine Bank gerne mit, weil ihnen kein Gegenwert gegenübersteht:

  • Grunderwerbsteuer: je nach Bundesland 3,5 bis 6,5 % des Kaufpreises
  • Notar und Grundbuch: rund 1,5 bis 2 %
  • Maklerprovision: falls beauftragt, üblicherweise geteilt zwischen Käufer und Verkäufer

In Summe sind das je nach Konstellation etwa 10 bis 15 % des Kaufpreises – und die musst du aus eigener Tasche zahlen. Bei 400.000 € Kaufpreis sind das schnell 45.000 €, bevor überhaupt ein Cent auf die Immobilie entfällt.

Die solide Faustregel lautet deshalb: Nebenkosten vollständig aus Eigenkapital, plus möglichst 20 % des Kaufpreises. Weniger geht – kostet aber Zinsaufschlag, weil das Risiko der Bank steigt.

Räum den Notgroschen nicht ab. Der häufigste Fehler beim Immobilienkauf ist, das letzte Eigenkapital in die Finanzierung zu stecken. Dann kommt die kaputte Heizung, das Auto oder ein Einkommensausfall – und die Rücklage ist weg. Drei bis sechs Monatsausgaben bleiben liegen, auch wenn es weh tut.

2. Tilgung – die Zahl, die über die Laufzeit entscheidet

Deine monatliche Rate besteht aus Zins und Tilgung. Der Zins ist das, was die Bank verdient; die Tilgung ist der Teil, der deine Schulden verringert. Und die Anfangstilgung hat eine viel drastischere Wirkung, als die meisten vermuten.

Ein Beispiel mit einem angenommenen Sollzins von 3,5 %:

AnfangstilgungLaufzeit bis schuldenfreiRate bei 300.000 € Darlehen
1 %rund 44 Jahre1.125 €
2 %rund 29 Jahre1.375 €
3 %rund 22 Jahre1.625 €

250 € mehr im Monat verkürzen die Laufzeit um 15 Jahre. Wer mit 1 % Tilgung finanziert, zahlt seinen Kredit unter Umständen bis weit in die Rente hinein ab – und genau das darf nicht passieren, weil das Einkommen im Ruhestand deutlich sinkt.

Die Faustregel: mindestens 2 % Anfangstilgung, und die Finanzierung sollte spätestens zum Renteneintritt abbezahlt sein.

3. Zinsbindung – wie lange die Sicherheit hält

Die Sollzinsbindung legt fest, wie lange dein Zinssatz garantiert ist. Danach steht die Anschlussfinanzierung an, zu dann geltenden Konditionen. Was viele überrascht: Nach zehn Jahren ist meist noch der weitaus größte Teil der Schuld offen.

Eine kurze Zinsbindung ist etwas günstiger, verschiebt das Risiko aber auf einen Zeitpunkt, den niemand kennt. Eine lange Bindung – 15 oder 20 Jahre – kostet etwas Aufschlag und kauft dafür Planbarkeit.

Zwei Punkte gehören dazu:

  • Sondertilgungsrecht: üblich sind 5 % der Darlehenssumme pro Jahr, kostenfrei. Sollte in jedem Vertrag stehen, auch wenn du es nie nutzt.
  • Kündigungsrecht nach zehn Jahren: Nach § 489 BGB darfst du jedes Darlehen zehn Jahre nach Vollauszahlung mit sechs Monaten Frist kündigen – unabhängig davon, wie lange die Zinsbindung läuft. Eine lange Bindung sperrt dich also nicht ein, sie schützt dich nur.

Was die Bank rechnet – und was du rechnen solltest

Banken prüfen, ob die Rate ins Haushaltsbudget passt. Als Orientierung gilt: Die Kreditrate sollte etwa 35 % des Nettohaushaltseinkommens nicht überschreiten.

Was in dieser Rechnung fehlt und dich trotzdem jeden Monat trifft:

  • Instandhaltungsrücklage – je nach Objekt 1 bis 1,50 € pro Quadratmeter und Monat
  • Grundsteuer, Versicherungen, Heizung und Nebenkosten, die als Eigentümer alle bei dir landen
  • Der Punkt, den fast alle vergessen: Was passiert mit der Finanzierung, wenn einer der beiden Verdiener ausfällt?

Zum letzten Punkt gehört eine ehrliche Antwort: Eine Risikolebensversicherung in Höhe der Restschuld und ein bestehender Berufsunfähigkeitsschutz sind bei einer Finanzierung kein Zusatzprodukt, sondern Teil der Konstruktion.

Fazit

Eine gute Finanzierung erkennt man nicht am niedrigsten Zins, sondern daran, dass sie auch dann noch trägt, wenn im Leben etwas dazwischenkommt. Genug Eigenkapital, mindestens 2 % Tilgung, eine Zinsbindung, die zu deiner Risikobereitschaft passt – und eine Rate, die auch mit Kind, Auto und Instandhaltung funktioniert.

Wenn du wissen willst, was in deinem Fall realistisch ist, rechnen wir das durch, bevor du beim Notar sitzt.

Finanzierung prüfen lassen?

Ob eine Immobilie für dich tragbar ist, entscheidet sich lange vor dem Termin bei der Bank. Trag dich ein, dann schauen wir uns Eigenkapital, Rate und Restschuld gemeinsam an – bevor du ein Angebot unterschreibst.

Häufige Fragen

Wie viel Eigenkapital brauche ich für eine Baufinanzierung?
Als solide Faustregel gilt: Die Kaufnebenkosten von etwa 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises vollständig aus eigenen Mitteln, plus möglichst 20 Prozent des Kaufpreises. Weniger ist möglich, führt aber zu einem höheren Zinssatz, weil das Risiko der Bank steigt.
Wie hoch sollte die Tilgung sein?
Mindestens 2 Prozent Anfangstilgung. Bei 1 Prozent zieht sich die Rückzahlung über rund vier Jahrzehnte, die Finanzierung reicht dann oft bis in die Rente hinein. Entscheidend ist, dass das Darlehen spätestens zum Renteneintritt getilgt ist.
Welche Zinsbindung ist sinnvoll?
Das hängt von der Risikobereitschaft ab. Eine kurze Bindung ist günstiger, verlagert das Zinsrisiko aber in die Zukunft. 15 oder 20 Jahre kosten einen Aufschlag und geben dafür Planungssicherheit. Nach zehn Jahren besteht ohnehin ein gesetzliches Kündigungsrecht mit sechs Monaten Frist.
Was ist eine Anschlussfinanzierung?
Nach Ablauf der Zinsbindung bleibt in der Regel eine Restschuld, die neu finanziert werden muss – zu den dann geltenden Konditionen. Mit einem Forward-Darlehen lassen sich die Zinsen dafür schon einige Jahre im Voraus sichern.
Brauche ich zur Baufinanzierung eine Risikolebensversicherung?
Vorgeschrieben ist sie nicht, sinnvoll in fast allen Fällen. Fällt ein Verdiener aus, muss der andere die Rate allein tragen können. Eine Risikolebensversicherung in Höhe der Restschuld kostet vergleichsweise wenig und verhindert im Ernstfall den Notverkauf.